Oliver Hartmann: 1990 war ich Gründungsmitglied der Coverband
Spider, mit der ich dann fast zehn Jahre quer durch Franken und Süddeutschland unterwegs war. Parallel dazu habe ich dann 1996 zusammen mit dem Gitarristen Olaf Lenk das Projekt Centers gestartet, was im Gegensatz zu
Spider keine Coverband war sondern mit eigenen Songs im Bereich Progressive Metal zu Hause war. Insgesamt erschienen in den folgenden 2 Jahren auch 2 CDs und 1999 formierte sich aus dem Projekt Centers dann die Band At Vance, die auch plötzlich

international recht erfolgreich war. Daraufhin bin ich auch 2000 bei Spider ausgestiegen, einerseits um mit At Vance auf Tour gehen zu können und andererseits – obwohl mir die Zeit bei
Spider sehr viel Spaß gemacht hat- weil ich mich als Musiker dort nicht wirklich weiterentwickeln konnte. Die Band drehte sich irgendwann im Kreis, was bei einer Coverband, die die Top 40 spielt, zwangsläufig irgendwann passiert.
Mit At Vance habe ich dann insgesamt 4 recht erfolgreiche CDs veröffentlicht, allerdings stellten sich nach und nach persönliche Probleme innerhalb der Band ein, auch da es kaum eine Möglichkeit gab, mich wirklich musikalisch in die Band einzubringen und so bin ich nach der Europa-Tour 2002 ausgestiegen. Danach habe ich dann angefangen, mich mehr auf andere musikalische Projekte zu konzentrieren und vor allem auch darauf, Songs für ein eigenes Album zu schreiben. Neben der Studioarbeit und dem eigenen Songwriting habe ich dann auch als Sänger bei der Rock-Oper Genius mitgewirkt, welches ein dreiteiliges Konzeptalbum mit vielen internationalen Künstlern ist, u. a. mit Steve Walsh von Kansas, Eric Martin von Mr. Big, Russel Allen von Symphony X, Daniel Gildenlow von Pain of Salvation und viele mehr. Hierbei hat sich auch der Kontakt zum italienischen Label Frontiers Records entwickelt, was auch dazu geführt hat, dass ich 2004 als Sänger bei der Band Empty Tremor mitgewirkt habe, mit der wir dann u.a. zusammen mit Dream Theater auf Tour waren. Frontiers Records zeigte mehr und mehr Interesse an meinem Solo-Material und es kam erfreulicherweise schnell zu einem Vertrag über zwei Veröffentlichungen, woraufhin dann 2005 das erste Album von „Hartmann“ mit dem Namen „Out in the cold“ erschien.
ABhörn: Das erste Album von Hartmann hat sich international im 5-stelligen Bereich verkauft. Außerdem wurde der Song „What if“ vom australischen Webzine „Melodicrock“ zum Song of the year 2005 gekürt. Das klingt nach einem erfolgreichen Debut!
Oliver Hartmann: Das stimmt, ich hätte diesen Erfolg so nicht erwartet. Bis dato war ich durch mein Mitwirken an diversen Bands und Projekten eher in der internationalen Metal/Hardrock-Szene bekannt. Das Debutalbum von Hartmann ging eher in eine „softere“ Richtung und wurde trotzdem in mehreren Metalmagazinen, wie z. B. Rock It und anderen als Album des Monats vorgestellt. Sehr viele Reviews der Platte sind überraschend gut ausgefallen, was mich natürlich sehr gefreut hat.
ABhörn: Das müsste ja dann eigentlich auch die Plattenfirma gefreut haben? Wie läuft den die Zusammenarbeit mit Frontiers Records? Gibt es schon so etwas wie gemeinsame Zukunftspläne?
Oliver Hartmann: Es ist natürlich für uns super, dass das erste Album so gut angenommen wurde. Die Zusammenarbeit mit Frontiers Records läuft eigentlich sehr gut, wobei ich mir wünschen würde, dass die Plattenfirma die Band auf Tour finanziell etwas mehr unterstützen würde, aber grundsätzlich ist es auf dem Musik-Markt zurzeit ja nicht unbedingt einfach. Auch gerade da es ja mittlerweile diverse Möglichkeiten gibt an gute Musik heran zu kommen (Internet, brennen). Dies drückt bekanntermaßen auf die Verkaufszahlen und bringt dadurch auch die Plattenfirmen in Bedrängnis. Mit Frontiers Records haben wir einen Vertrag über zwei Veröffentlichungen und nachdem das neue Album “Home“ jetzt erst seit kurzem auf dem Markt ist, muss man natürlich erstmal abwarten wie es läuft. Aber ich hoffe natürlich gut und dann wird man auch sehen, wie es weiter geht.
ABhörn: Nachdem die Band deinen Nachnamen als Bandnamen trägt, könnte man vermuten, dass Du als Solo-Künstler mit Begleitband agierst. Treten hierbei nicht dieselben musikalischen Probleme auf, die Dich selbst zu Deinem Ausstieg bei At Vance bewegt haben? Oder kann man sich Hartmann als kompakte Band vorstellen?
Oliver Hartmann: Wie schon erwähnt hatte mein Ausstieg bei At Vance zwar auch musikalische, aber doch hauptsächlich persönliche Gründe, da unsere Zusammenarbeit einfach nicht mehr funktioniert hat. Das Projekt Hartmann startete mit dem Vorsatz, mich mehr auf meine eigenen musikalischen Interessen und Ziele zu konzentrieren. Nachdem dann klar war, das Anfang 2005 das erste Album erscheinen sollte und da ich dieses natürlich auch live präsentieren wollte, benötigte ich logischerweise eine Band. So entstand mit

Mario Reck, Armin Donderer, Jürgen Wüst und Dario Ciccioni eine feste Formation und seit dem ersten Gig im Jahr 2005 spielen wir eigentlich unverändert in diesem Line-up. Das erste Album „Out in the cold“ war noch eher ein Studioprojekt mit Gastmusikern und komplett von meinen eigenen Arrangements geprägt, wohingegen wir für das neue Album mit der gesamten Band ins Studio gegangen sind, was der Produktion und dem Sound allgemein sehr gut getan hat. Auch wenn ich momentan immer noch alleiniger Songwriter bin, hat jeder in der Band natürlich die Möglichkeit seine Songideen einzubringen und umzusetzen. Somit ist es nicht nur eine Live-Formation bzw. Begleitband für mich als Solo-Künstler sondern vielmehr eine voll funktionierende Band.
ABhörn: Nachdem Du nun Deine Erfahrungen mit Coverbands gesammelt hast und mittlerweile auch mit eigener Musik erfolgreich bist, kannst Du uns bestimmt sagen, welche von beiden Richtungen besser ist? Was ist Deine Vorstellung für die Zukunft? Möchtest Du irgendwann nur noch Deine eigene Musik an den Mann bringen?
Oliver Hartmann: Die Erfahrungen die ich mit Coverbands gesammelt habe, sind eigentlich durchaus gute. Hierbei muss man allerdings unterscheiden zwischen den Top40-Bands und den speziell ausgerichteten.
Spider beispielsweise hat sich auf die aktuellen und angesagten Rockhits beschränkt. Mit 8 bis 12 Gigs pro Monat, zusätzlicher Organisation und Proben hatte man einen recht engen Zeitplanund so blieb auch relativ wenig Zeit und Energie für andere Projekte. Die Musik selbst hat sich dabei immer wiederholt und man spielte sie, auch wenn einem der ein oder andere Song persönlich überhaupt nicht gefallen hat. Aber Spaß hatten wir natürlich trotzdem, sonst hätte ich das auch nicht fast 10 Jahre am Stück gemacht. Andererseits spiele ich ja immer

noch bei Echoes. Hier macht es mir durchaus immer wieder Spaß, die Musik von Pink Floyd zu spielen, weil ich einfach selbst drauf stehe und es einfach zeitlose Musik ist. Außerdem gibt es unglaublich viele Fans von Pink Floyd, die sich die Musik gern live anhören wollen. Die Band um Herrn Gilmour geht ja leider selbst nicht mehr auf Tour, was in diesem Fall allerdings durchaus ein Vorteil für eine Tributeband wie Echoes ist. Mit durchschnittlich 3 bis 4 Gigs im Monat bleibt auch noch genug Zeit, sich auf andere Sachen zu konzentrieren.
Meine musikalische Priorität liegt eben schon klar bei Hartmann und ich hoffe natürlich, mich irgendwann in der Zukunft zu möglichst 100% auf meine eigene Musik konzentrieren zu können.
ABhörn: Das führt gleich zur nächsten Frage: Seit wann ist Dein Hobby Musik Dein Beruf?
Oliver Hartmann: Seit 15 Jahren lebe ich ausschließlich von der Musik und habe mein Hobby zum Beruf gemacht, was aber auch dazu führt, dass Du keine Hobbies mehr hast;-) Allerdings muss ich auf mehreren Feldern tätig sein, um meinen Lebensunterhalt, damit zu finanzieren. So bin ich neben Hartmann auch als Studiomusiker und –sänger viel unterwegs, u.a. für Bands wie Edguy, Hammerfall oder Helloween. Ebenso bin ich Tourgitarrist bei Joana Zimmer, Gitarren- und Gesangslehrer an einer Schule in Zellhausen und auch hier und da als Produzent und Songwriter für andere tätig.
ABhörn: Bist Du zufrieden mit Deinem Musikerleben?
Oliver Hartmann: Ja, definitiv, auch wenn es nicht immer gerade einfach ist und auch wie alles seine negativen Seiten hat. Man kann es aber schon als Erfüllung eines Traumes betrachten, dass ich mittlerweile recht gut von der Musik leben kann.
Es wäre natürlich schön, irgendwann mal zu 100% von meiner eigenen Musik mit Hartmann leben zu können.
ABhörn: Du hast erzählt, dass Du auch als Produzent tätig bist! Arbeitest Du zurzeit mit einer lokalen Band zusammen?
Oliver Hartmann: Ja, derzeit arbeite ich mit Big Deal zusammen. Eine junge, vielversprechende Band, die das Talent und das Potential besitzt, wirklich mehr daraus zu machen. Mir gefällt ihre Musik und ihr Ehrgeiz den sie in ihre Arbeit legen. Daher habe ich mich auch auf ihre Anfrage hin dazu entschlossen, ihr neues Album mit zu produzieren.
ABhörn: „Hartmann“ war 2006 mit Toto auf Tour. Wie kam das zustande und welche Erinnerungen behältst Du davon?
Oliver Hartmann: Toto wechselte 2006 ebenfalls zu Frontiers Records und in diesem Rahmen – u.a. durch die Mithilfe von Georg Hoffmann bei Shooter Promotion – kam dann auch der direkte Kontakt für die Tour zustande. Die Tour selbst war großartig und es war natürlich eine tolle Geschichte mit einer Band wie Toto unterwegs zu sein, auch da es musikalisch sehr gut zusammengepasst hat. Besonders in Erinnerung behalte ich, dass das Publikum auch uns als Vorband eine tolle Resonanz entgegen gebracht hat, obwohl die meisten uns bis dato nicht kannten.
ABhörn: 2007 werdet ihr einige Termine mit House of Lords wahrnehmen!? Was steht sonst noch an?
Oliver Hartmann: Ja, das ist richtig. Diese US-Band war Ende der 80er und Anfang der 90er sehr bekannt und hatte auch einige Hits. Wir haben gerade in den letzten 14 Tagen insgesamt 5 Termine in Deutschland und der Schweiz zusammen gespielt. Auch hier kam der Kontakt über Frontiers Records zustande, wo die Band gerade ein neues Album herausgebracht hat.
Als nächstes stehen erstmal Ende März Konzerte für Shure und Meinl auf diesjährigen Musikmesse auf dem Plan, dann werden wir im Mai noch in Wiesbaden und in Bensheim zu sehen sein und sind neben einigen Festivals im Sommer hoffentlich im Herbst noch mal auf einer ausgedehnteren Clubtour. Mal sehen, was sich sonst noch dieses Jahr ergibt.
ABhörn: Anfang Februar fand die Release-Party Eurer neuen CD statt. Warst Du zufrieden?
Oliver Hartmann: Ja, sehr! Dafür, dass der Gig unter Woche war, haben doch viele den Weg in den Colos-Saal gefunden. Ich denke wir werden im Winter noch mal dort zu Gast sein.
ABhörn: Abschließende Frage: Was kannst Du als Profi-Musiker zur bzw. über die lokale Musik-Szene am Untermain sagen?
Oliver Hartmann: Absolut faszinierend ist die große Musikerdichte in Aschaffenburg. Das gibt es selten, was sich so viele Musiker und Bands in einer Region tummeln. Eine nicht zu verachtende Rolle spielt mit Sicherheit auch das Colos-Saal und die Arbeit von Claus Berninger in den letzten fast 20 Jahren. Es ist allerdings schade, dass die meisten Bands so schnell wie sie kommen auch wieder verschwinden. Viele gute Musiker driften irgendwann zu Coverbands ab und lassen ihre eigenen Bands und Projekte fallen, was natürlich auch daran liegt, dass Aschaffenburg und Umkreis eine absolute Cover-Hochburg ist. Sehr gut finde ich aktuell die neue Solo-CD von Markus Vollmer. Wirklich sehr eigenständige Musik. Und Markus macht nicht nur als Gitarrist sondern durchaus auch als Sänger und Songwriter eine gute Figur. Es wird auch interessant sein zu sehen, was aus Big Deal wird.